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Ein Buch über unsichtbare Frauen: Uncredited von Allison Tyra

Warum kennen wir so viele berühmte Wissenschaftler, Künstler, Entdecker und Erfinder, aber vergleichsweise wenige Frauen, die in denselben Bereichen wirkten? Eine häufige Antwort lautet, Frauen hätten in früheren Jahrhunderten schlicht weniger Möglichkeiten gehabt, zu forschen oder selbständig zu arbeiten. Allison Tyra, Gründerin der Webseite Infinite Women und Host des gleichnamigen Podcasts, zeigt in ihrem Buch Uncredited: Women’s Overlooked, Misattributed, and Stolen Work, dass diese Erklärung zu kurz greift. Frauen waren keineswegs abwesend: Ihre Leistungen wurden vielmehr übersehen, abgewertet, falsch zugeschrieben oder von anderen vereinnahmt.

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Die National Archives haben Digitalisate der NSDAP-Mitgliederkartei frei zugänglich online gestellt – was bedeutet das für die historisch-biografische Forschung?

von Elsbeth Bösl

Große deutsche Medien wie DER SPIEGEL, Die Zeit und die Süddeutsche Zeitung berichteten vor wenigen Wochen ausführlich über die Digitalisierung der NSDAP-Mitgliederkartei. Sie lenkten die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit auf einen historischen Quellenbestand, den Historiker:innen schon lange kennen und nutzen. Die Rede ist von den nun von den National Archives and Records Administration (NARA)  in den USA offen zugänglich gemachten Quellenbeständen des sogenannten Berlin Document Center. Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht die Mitgliederkartei der NSDAP. Für historisch-biografische Recherchen sind diese Quellen wertvoll, etwa um individuelle Lebenswege und die Verstrickung in das NS-Regime nachzuvollziehen, aber auch um Netzwerke sichtbar zu machen. Auf den Sozialen Medien trendet das Thema v.a. unter der Überschrift „War Opa ein Nazi?“, auf Reddit und YouTube gibt es How-to-Anleitungen und die Kommentarspalten sind voll von Usern, die erzählen, was sie gefunden haben, und wie sie nun damit umgehen.

Wir greifen diese öffentliche Diskussion auf und berichten Euch im Folgenden aus unseren Erfahrungen mit der NSDAP-Mitgliederkartei.

Bisher haben wir für unsere historisch-biografischen Recherchen immer Anfragen an das Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde gestellt, das die Kartei im Original aufbewahrt. Da die Anfragen aber sehr langwierig sind, haben wir uns nicht bei allen in Frage kommenden Frauen an das Bundesarchiv gewandt. Als die Kartei online frei zugänglich ist wurde, haben wir die Gelegenheit sofort genutzt, um die neue Ressource auszuprobieren und weitere Daten über die Archäologinnen zu erheben.

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„Activate Archaeology for Just Futures!“

Impressionen von der Nordic TAG in Kalmar

von Doris Gutsmiedl-Schümann

Vom 6. bis 9. Mai 2026 fand an der Linnaeus University in Kalmar, Schweden, die 18. Tagung der Nordic Theory in Archaeology Group – kurz Nordic TAG – statt. 22 Sessions und vier Workshops beschäftigten sich mehrere Tage lang mit den Perspektiven, die die Archäologie auf die drängenden Herausforderungen unserer Zeit bieten kann.

Die Session, an der sich AktArcha beteiligte, begab sich unter dem Titel „She was Here: Echoes of Forgotten Women in Nordic Archaeology“ auf die Spuren von Frauen in der nordischen Archäologie – sowohl in der archäologischen Forschung als auch im archäologischen Befund.

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Aus dem Mädchen wird ein Junge: Die interdisziplinäre Neuuntersuchung der “Britzer Prinzessin” 2015

Mehr als ein halbes Jahrhundert lang war die Sache klar: In Berlin-Britz war ein junges Mädchen bestattet worden – die „Prinzessin von Britz“, wie Gertrud Dorka sie nannte.

Dann, 2015, wird der Fund erneut untersucht. Und plötzlich steht alles in Frage.

Das Ergebnis ist so schlicht wie überraschend: Die vermeintliche Prinzessin war biologisch ein Junge.

Was zunächst wie eine kuriose Korrektur wirkt, ist in Wahrheit weit mehr. Es ist eine Geschichte darüber, wie sich Wissenschaft verändert – und darüber, wie uns neue Methoden nicht nur Antworten liefern, sondern auch neue Fragen aufwerfen.

Dies ist der dritte Teil unserer Artikelserie über den Fund von Berlin-Britz und seine Forschungsgeschichte

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Die Britzer Prinzessin – ist ein Prinz.

Ein archäologischer Fundkrimi in drei Teilen

Teil 2 Die Sensation in den Medien und die Berliner Öffentlichkeit

von Elsbeth Bösl

Berlin, 5. April 1951: Berlin, 5. April 1951. Die Nachricht vom Fund in Britz macht schnell die Runde. Innerhalb weniger Stunden greifen mehrere Berliner Tageszeitungen das Thema auf. Der Journalist Herbert Dahler erklärt im „Neuköllner Anzeiger“ unter der Überschrift „Frühgeschichtlicher Fund in Britz“, es handle sich um einen „Fund von besonderem Seltenheitswert“ – genau das war es ja auch (N.N. [Dahler?]: Frühgeschichtlicher Fund in Britz, in: Berliner Anzeiger, 5.4.1951).

Zeitungsausschnitte

Die ersten Berichte sind noch widersprüchlich. Manche Details stimmen, andere sind vage – und einiges ist schlicht falsch. Doch eines wird den Leserinnen und Lesern schnell klar: In Britz ist ein außergewöhnlicher frühgeschichtlicher Fund entdeckt worden. Die Redakteure bemühen sich, O-Töne der am Fund Beteiligten zu drucken, und die ersten wissenschaftlichen Fakten zu erfassen.

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Postumes wissenschaftliches Kapital: Preise und Programme im Namen von Archäologinnen

Von Elsbeth Bösl und Doris Gutsmiedl-Schümann

KI-Bild im Stil eines Gemäldes, auf dem eine Frau einer anderen einen Preis in Form einer Eulentrophäe übergibt. Um sie herum sitzen und stehen jüngere und ältere Frauen unterschiedlicher Herkunft.
KI-generiertes Bild einer fiktiven Preisverleihung

Die Philosophische Fakultät der Universität Bonn hat 2025 ein neues Mentoring-Programm ins Leben gerufen. Es trägt den Namen ELVIRA.

Benannt wurde es nach der Archäologin Elvira Fölzer (1868-1937). Sie war die erste Frau, die an der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn promoviert wurde. Im Jahr 1906 war das so ein außergewöhnliches Ereignis, dass es sogar überregionalen Zeitungen eine Nachricht wert war.

ELVIRA ist ein Peer-Mentoringprogramm und wendet sich besonders an Studentinnen* bzw. weiblich gelesene Studierende, die aus einem nicht-akademischen Familienhintergrund kommen. Sie sollen bei ihrer Berufs- und Karriereplanung unterstützt werden, Kontakte knüpfen und ihre Kompetenzen erweitern. Es richtet sich an Mentees, die nach Rat und Erfahrung suchen und an ihrem Selbstwertgefühl und ihrer Selbstwirksamkeit arbeiten wollen. Die Mentorinnen sind selbst Erstakademikerinnen.

Das Mentoringprogramm ist ein tolles Angebot, und zugleich ein gutes Beispiel für eine bestimmte Form wissenschaftlicher Erinnerung: die Benennung von Preisen, Programmen, Vorlesungen oder Gebäuden nach den Personen, die damit geehrt werden sollen.

Wir haben uns deshalb genauer angeschaut, ob und wie Archäologinnen auf diese Weise geehrt werden. Welche Preise, Stipendien, Programme oder Veranstaltungen tragen ihre Namen? Solche Benennungen sind mehr als bloße Würdigungen: Sie sind Teil der wissenschaftlichen Erinnerungskultur und tragen dazu bei, den Namen einer Person im Gedächtnis des Faches präsent zu halten.

Benennungen gehören ebenso wie Nachrufe, Gedenkkolloquien und wissenschaftliche Biografien zum postumen wissenschaftlichen Belohnungssystem im Sinne Pierre Bourdieus (1930–2002), da sie zum postumen Kapital der geehrten Person beitragen (Bourdieu 1983). Sie sind auch Teil der Memoriapflege, denn sie können dazu beitragen, dass die Person weniger schnell in Vergessenheit gerät. Ganz ähnlich verhält es sich mit Straßennamen, über die wir hier vor einigen Jahren schon einmal geschrieben haben. Der Unterschied ist hauptsächlich, dass Straßennamen eine Ehrung in der allgemeinen Öffentlichkeit darstellen, während akademische Benennungen an eine kleineres Publikum adressiert sind.

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KvinArk lädt ein – und ich war dabei!

Gastbeitrag von Svenja Biedinger

Im Jahr 2025 bestand für die dänischen Frauen Grund zum Feiern. Seit 150 Jahren ist es Frauen in Dänemark gestattet, die Universität zu besuchen. Doch was bedeutet das für die Archäologinnen von damals bis heute? Dieser Frage sind KvinArk und das SAXO-Institut der Universität Kopenhagen auf den Grund gegangen und haben am 20. November 2025 zu „Kend din arkæologihistorie – Arkæologiens kvinder fra felt til forskning”, übersetzt „Kenne deine Archäologiegeschichte – die Frauen der Archäologie von Feldarbeit bis Forschung“ eingeladen. Ungefähr 200 Teilnehmer*innen sind der Einladung in Präsenz gefolgt, weitere konnten online zuschauen. Im Folgenden möchte ich meine Eindrücke schildern.

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Wenn Frauen andere Frauen sichtbar machen – eine Quelle aus dem Jahr 1955

Von Elsbeth Bösl und Doris Gutsmiedl-Schümann

Wenn es in Ratgebern und auf Konferenzen über das Sichtbarmachen von Frauen geht, kommt oft die Frage auf, mit welchen konkreten Mitteln und einfachen Maßnahmen das denn geschehen kann. Was kann jede Forscherin tun, um andere Forscherinnen sichtbarer zu machen? Ein Vorschlag wird immer wieder gemacht: Frauen sollen andere Frauen vorschlagen, wenn sie nach einer Expertin für ein wissenschaftliches Thema oder nach einer Referentin für eine Tagung oder einer Interviewpartnerin für die Medien gefragt werden: “Wenn Dich jemand nach einem Experten fragt, schlag eine Expertin vor.”

Diese Zielrichtung verfolgen auch Expertinnenportale wie Speakerinnen.org, femconsult und bis vor Kurzem AcademiaNet. Es gibt auch #100TechFrauen und #Innovative Frauen.

Dieser Beitrag gehört zu unserer lockeren Serie über weibliche Netzwerke. Wir wollen darin herausfinden, wie wir diese in den Quellen erkennen können.

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Frauensolidarität und weibliche Netzwerke im Kalten Krieg: Das Zusammentreffen von Hanna Rydh und Gertrud Dorka 1950/1951

von Elsbeth Bösl und Doris Gutsmiedl-Schümann

Wir beginnen mit einem Quellenfund aus dem Archiv des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin: Die Korrespondenz von Gertrud Dorka (1893-1976), der ersten Direktorin des Museums von 1947 bis 1958, mit der schwedischen Archäologin, Feministin und Politikerin Hanna Rydh (1891-1964) und einige dazugehörige Einträge im Diensttagebuch Gertrud Dorkas.

Dieser kleine Quellenfund führt uns vom Kleinen, Lokalen ins Große und Internationale.

Die Geschichte beginnt 1947 bei Gertrud Dorka in der Ruine des Martin-Gropius-Baus in Berlin, bei ihrem schwierigen Alltag als Direktorin des Ehemals staatlichen Museums für Vor- und Frühgeschichte Berlin. Wir stellen Euch dann aber auch ausführlich Hanna Rydh vor und werfen einen Blick auf lokale und internationale Frauenvereinigungen im frühen Kalten Krieg.

Dies ist der erste Teil einer lockeren Artikelserie über Frauennetzwerke und die Suche danach in den historischen Quellen. Hier gehts zum Intro.

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