von Julia Katharina Koch und Doris Gutsmiedl-Schümann
Bei unserer Biographieforschung zu den Archäologinnen beziehen sich die ersten Daten, denen wir habhaft werden, meist auf die Forschungen, Publikationen, Studium und Berufsverhältnisse. Etwas schwieriger wird es, die Menschen hinter diesen Daten zu fassen. Wie gingen sie mit Erfolgen und Hindernissen um? Was war ihre Motivation, sich wissenschaftlich zu beschäftigen? Bei diesen Fragen helfen private Auskünfte weiter. Wenn keine Tagebücher oder Briefwechsel von ihnen selbst oder Personen aus ihrem Familien- und Bekanntenkreis vorliegen, ist das Auffinden solcher Auskünfte über die Frauen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts allerdings öfters dem Zufall belassen.
Die Griechin Sophia Schliemann, geb. Engastroménou, war die zweite Ehefrau von Heinrich Schliemann (1822-1890), der Archäologieinteressierten wohl vor allen durch seine Ausgrabungen in Troja und Mykene bekannt ist. Viele haben sicherlich schon einmal ein Bild von ihr gesehen: Sophia Schliemann ist die Frau, die auf einem der Fotos zum sog. „Schatz des Priamos“ den sog. „Schmuck der Helena“ trägt.
Sophia Schliemann mit dem sog. “Schmuck der Helena”. Das Bild entstand zwischen 1873 und 1877; es ist nicht bekannt, wer es aufgenommen hat. Es wurde erstmals am 20. Januar 1877 im britischen Wochenmagazin The Graphic gezeigt (Samida 2018, 120).
Doch war sie auch eine archäologisch arbeitende Frau? Als ausgrabendes Ehepaar sind Heinrich und Sophia Schliemann vor allem in Filmen und populären Büchern präsent – und wird das Ehepaar auch auf Heinrich Schliemanns Grabmal in Athen gezeigt. Der Urgeschichtsforscher Matthäus Much nennt 1882 „Frau Schliemann, Gattin des Dr. Schliemann, in Athen“ als eine von „jene[n] Frauen, welche sich in erfolgreicher und ruhmvoller Weise an der wissenschaftlichen Arbeit auf dem Gebiete der Urgeschichte betheiligt haben“.
Wir begeben uns in unserem heutigen Beitrag auf die Spuren der archäologischen Arbeit von Sophie Schliemann.
Bei unseren Recherchen zu archäologischen Ausgrabungen und archäologisch arbeitenden Frauen in Hamburg begegnete uns immer wieder die Volksschullehrerin Minna Plaß. Über Jahre hinweg engagierte sie sich ehrenamtlich in der Vorgeschichtlichen Abteilung des Altonaer Museums. Sie war regelmäßig als Helferin auf archäologischen Ausgrabungen zu finden; einige Ausgrabungen führte sie eigenverantwortlich durch. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute sie diese Museumsabteilung wieder auf. Wir haben uns auf Spurensuche begeben, und möchten in diesem Beitrag die ehrenamtliche Archäologin Minna Plaß näher vorstellen.
„Den Inhalt ihres privatesten Daseins bilden ein Kater, an den sie ihre ganze Liebe gehängt hat, und Betätigung in der Vorgeschichtsforschung.“
Carl Feddern, Rektor i.R. am 28.11.1947 über Minna Plaß (Staatsarchiv Hamburg, 221-10_314, Plass, Minna Sophie Lina)
Helene Ritter 1955 bei einer Besichtigung der Grabung in Manching, Quelle: Archiv der Römisch-germanischen Kommission, Nachlass Werner Krämer, Album 2
Am 7. Mai jährt sich der Geburtstag von Helene Ritter, der späteren Freifrau Helene von Reitzenstein. Die Überlieferung über diese Prähistorikerin ist aber sehr bruchstückhaft, so dass wir besonders auf zwei Aspekte ihrer Biografie eingehen wollen, die für die 1930er bis 1950er Jahre charakteristisch für die beruflichen Wege einer Reihe von Archäologinnen waren.
Dies war erstens die relative berufliche Aufwertung während des Krieges – Frauen rückten damals in verantwortungsvolle Positionen auf, nachdem immer mehr Männer zum Kriegsdienst eingezogen worden oder gefallen waren. Und zweitens: Die Beschäftigung von hoch qualifizierten Frauen auf Verwaltungsstellen und untergeordneten, befristeten sowie eher schlecht besoldeten Posten – ein Muster, das sich ab den 1950er Jahren wie schon in den 1930er Jahren wiederholt nachweisen lässt. Häufig besetzten diese für die archäologische Forschung, Vermittlung und die Bodendenkmalpflege eminent wichtigen Stellen eben nicht nur Frauen, die eine Qualifikation als Schreibkräfte, Sekretärinnen oder anderen Büroberufen mitbrachten, sondern auch Frauen mit einem Studienabschluss. Es ist wichtig zu untersuchen, welche Aufgaben die Frauen auf diesen Stellen dann eigentlich bearbeiteten, denn hinter einer niedrigen Besoldung oder der Eingruppierung als Verwaltungskraft versteckten sich in der Praxis nicht selten komplexe wissenschaftliche Tätigkeiten.
Der 205. Geburtstag von Amalie Buchheim (1819–1902) ist im Mai 2024 Anlass für die „Vita des Monats“ bei Propylaeum Vitae. Für die Ergänzung ihres Eintrags in diesem biografischen Informationssystem sind vom AktArcha-Team Quellen zu ihrer Person neu erfasst worden. Zwei bisher nicht beachtete Briefe eröffnen einen neuen Blick auf die archäologische Arbeit der Amalie Buchheim. Mit ihnen möchten wir in unserem Blog an die Custodin der Schweriner Altertumssammlungen erinnern.