Warum kennen wir so viele berühmte Wissenschaftler, Künstler, Entdecker und Erfinder, aber vergleichsweise wenige Frauen, die in denselben Bereichen wirkten? Eine häufige Antwort lautet, Frauen hätten in früheren Jahrhunderten schlicht weniger Möglichkeiten gehabt, zu forschen oder selbständig zu arbeiten. Allison Tyra, Gründerin der Webseite Infinite Women und Host des gleichnamigen Podcasts, zeigt in ihrem Buch Uncredited: Women’s Overlooked, Misattributed, and Stolen Work, dass diese Erklärung zu kurz greift. Frauen waren keineswegs abwesend: Ihre Leistungen wurden vielmehr übersehen, abgewertet, falsch zugeschrieben oder von anderen vereinnahmt.
Ein Buch über unsichtbare Frauen: Uncredited von Allison Tyra weiterlesenKategorie: Quellen
Mechanismen der Unsichtbarwerdung – Autor(innen)schaft & Archiv
Ein Tagungsbericht von Doris Gutsmiedl-Schümann
Am 27. und 28. November 2025 veranstaltete das Projekt „Lost in Archives – Auf der Suche nach unsichtbaren Frauen in Männerdomänen“ einen zweitägigen Workshop in München. Im Mittelpunkt standen die Mechanismen, durch die historische Personen in Archiven in den Hintergrund treten, verblassen oder ganz verschwinden. Besonders im Fokus waren dabei Autorinnen und ihre Marginalisierung.
Der Workshop fragte danach, wie Autor*innenschaft, Beteiligung, wissenschaftliche oder kulturelle Leistungen von Frauen historisch unsichtbar gemacht wurden, und wie Archive, Editionen, Sammlungen und Forschung diese Unsichtbarkeit erzeugen und fortführen, aber auch korrigieren können.
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Die National Archives haben Digitalisate der NSDAP-Mitgliederkartei frei zugänglich online gestellt – was bedeutet das für die historisch-biografische Forschung?
von Elsbeth Bösl
Große deutsche Medien wie DER SPIEGEL, Die Zeit und die Süddeutsche Zeitung berichteten vor wenigen Wochen ausführlich über die Digitalisierung der NSDAP-Mitgliederkartei. Sie lenkten die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit auf einen historischen Quellenbestand, den Historiker:innen schon lange kennen und nutzen. Die Rede ist von den nun von den National Archives and Records Administration (NARA) in den USA offen zugänglich gemachten Quellenbeständen des sogenannten Berlin Document Center. Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht die Mitgliederkartei der NSDAP. Für historisch-biografische Recherchen sind diese Quellen wertvoll, etwa um individuelle Lebenswege und die Verstrickung in das NS-Regime nachzuvollziehen, aber auch um Netzwerke sichtbar zu machen. Auf den Sozialen Medien trendet das Thema v.a. unter der Überschrift „War Opa ein Nazi?“, auf Reddit und YouTube gibt es How-to-Anleitungen und die Kommentarspalten sind voll von Usern, die erzählen, was sie gefunden haben, und wie sie nun damit umgehen.
Wir greifen diese öffentliche Diskussion auf und berichten Euch im Folgenden aus unseren Erfahrungen mit der NSDAP-Mitgliederkartei.
Bisher haben wir für unsere historisch-biografischen Recherchen immer Anfragen an das Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde gestellt, das die Kartei im Original aufbewahrt. Da die Anfragen aber sehr langwierig sind, haben wir uns nicht bei allen in Frage kommenden Frauen an das Bundesarchiv gewandt. Als die Kartei online frei zugänglich ist wurde, haben wir die Gelegenheit sofort genutzt, um die neue Ressource auszuprobieren und weitere Daten über die Archäologinnen zu erheben.
Die National Archives haben Digitalisate der NSDAP-Mitgliederkartei frei zugänglich online gestellt – was bedeutet das für die historisch-biografische Forschung? weiterlesenWeihnachten mit Gertrud Dorka
von Elsbeth Bösl und Doris Gutsmiedl-Schümann
Zu Weihnachten nehmen wir Euch mit ins Jahr 1952: auf die Weihnachtsfeier am Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte.
Wir erinnern uns: 1948 war die Prähistorikerin Gertrud Dorka und Museumsdirektorin mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterin in die Ruine des Ehemaligen Völkerkundemuseum an der Stresemannstraße eingezogen. Seither bemühte sie sich um den Wiederaufbau des Museums für Vor- und Frühgeschichte (Junker 2004/2005). Im Jahr 1952 sollte nun die gemeinsame Weihnachtsfeier aller Mitarbeitenden der ehemals staatlichen Museen Berlins in den wenigen benutzbaren Räumen der Ruine stattfinden. Energisch nahm Gertrud Dorka die Vorbereitungen auf!
Weihnachten mit Gertrud Dorka weiterlesenWenn Frauen andere Frauen sichtbar machen – eine Quelle aus dem Jahr 1955
Von Elsbeth Bösl und Doris Gutsmiedl-Schümann
Wenn es in Ratgebern und auf Konferenzen über das Sichtbarmachen von Frauen geht, kommt oft die Frage auf, mit welchen konkreten Mitteln und einfachen Maßnahmen das denn geschehen kann. Was kann jede Forscherin tun, um andere Forscherinnen sichtbarer zu machen? Ein Vorschlag wird immer wieder gemacht: Frauen sollen andere Frauen vorschlagen, wenn sie nach einer Expertin für ein wissenschaftliches Thema oder nach einer Referentin für eine Tagung oder einer Interviewpartnerin für die Medien gefragt werden: “Wenn Dich jemand nach einem Experten fragt, schlag eine Expertin vor.”
Diese Zielrichtung verfolgen auch Expertinnenportale wie Speakerinnen.org, femconsult und bis vor Kurzem AcademiaNet. Es gibt auch #100TechFrauen und #Innovative Frauen.
Dieser Beitrag gehört zu unserer lockeren Serie über weibliche Netzwerke. Wir wollen darin herausfinden, wie wir diese in den Quellen erkennen können.
Wenn Frauen andere Frauen sichtbar machen – eine Quelle aus dem Jahr 1955 weiterlesenFrauensolidarität und weibliche Netzwerke im Kalten Krieg: Das Zusammentreffen von Hanna Rydh und Gertrud Dorka 1950/1951
von Elsbeth Bösl und Doris Gutsmiedl-Schümann
Wir beginnen mit einem Quellenfund aus dem Archiv des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin: Die Korrespondenz von Gertrud Dorka (1893-1976), der ersten Direktorin des Museums von 1947 bis 1958, mit der schwedischen Archäologin, Feministin und Politikerin Hanna Rydh (1891-1964) und einige dazugehörige Einträge im Diensttagebuch Gertrud Dorkas.
Dieser kleine Quellenfund führt uns vom Kleinen, Lokalen ins Große und Internationale.
Die Geschichte beginnt 1947 bei Gertrud Dorka in der Ruine des Martin-Gropius-Baus in Berlin, bei ihrem schwierigen Alltag als Direktorin des Ehemals staatlichen Museums für Vor- und Frühgeschichte Berlin. Wir stellen Euch dann aber auch ausführlich Hanna Rydh vor und werfen einen Blick auf lokale und internationale Frauenvereinigungen im frühen Kalten Krieg.
Dies ist der erste Teil einer lockeren Artikelserie über Frauennetzwerke und die Suche danach in den historischen Quellen. Hier gehts zum Intro.
Frauensolidarität und weibliche Netzwerke im Kalten Krieg: Das Zusammentreffen von Hanna Rydh und Gertrud Dorka 1950/1951 weiterlesenIntro: Auf der Suche nach weiblichen Netzwerken
Von Elsbeth Bösl und Doris Gutsmiedl-Schümann
Wie lässt sich in historischen Quellen nachweisen, dass Frauen nicht nur nebeneinander, sondern auch miteinander gearbeitet haben? Spuren von Kooperationen oder gar Netzwerken sind selten eindeutig sichtbar – und genau darin liegt die Herausforderung. Die Tagebücher und Korrespondenzen von Gertrud Dorka (1893-1976), der Leiterin des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte von 1947 bis 1958, bieten hier einen faszinierenden Prüfstein: Sie öffnen Einblicke in den wissenschaftlichen Alltag, machen aber zugleich deutlich, wie schwer greifbar weibliche Netzwerke in der Überlieferung bleiben.
Diese Quellen geben den Anlass für das kleine Artikelbündel, das wir heute starten. Wir haben sie schon mehrfach hinsichtlich der Frage durchgesehen, ob wir spezifisch weibliche wissenschaftliche Kooperationen darin identifizieren können. Diese Materialien geben tolle Einblicke in den Arbeitsalltag einer zentralen Akteurin der Berliner Nachkriegsarchäologie, aber sie wecken eben auch die Frage, ob sich darin Spuren von belastbaren und mehr als kurzfristigen Frauennetzwerken finden lassen.
Intro: Auf der Suche nach weiblichen Netzwerken weiterlesenIm Urlaub mit der Berliner Archäologin Gertrud Dorka
Teil 2
Dolce Vita oder Bildungsreise?
von Elsbeth Bösl und Doris Gutsmiedl-Schümann
Es geht wieder in den Süden. Wir begleiten die Prähistorikerin Gertrud Dorka wie schon in der letzten Woche mit einem Blogbeitrag auf ihren Urlaubsfahrten nach Italien. In der kommenden Woche geht es dann mit ihr nach Österreich.
Woher wissen wir etwas über diese Reisen? Gertrud Dorka (1893-1976) übernahm am 1. September 1947 die Leitung des ehemals Staatlichen Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin. Diese Position hatte sie bis zum 31. März 1958 inne. Aus ihrer Zeit als Museumsdirektorin hat Gertrud Dorka Diensttagebücher hinterlassen, in denen sie auch ihre Reisen festgehalten hat.
Überliefert sind diese Tagebücher um Archiv des Museums für Vor- und Frühgeschichte Berlin. Wir danken dem Archiv sehr herzlich für die Möglichkeit, mit dieser tollen Quelle zu arbeiten.
Im Urlaub mit der Berliner Archäologin Gertrud Dorka weiterlesenIm Urlaub mit der Berliner Archäologin Gertrud Dorka
Teil 1
von Elsbeth Bösl und Doris Gutsmiedl-Schümann

Gertrud Dorka (1893-1976) übernahm am 1. September 1947 die Leitung des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin. Diese Position hatte sie bis zum 31. März 1958 inne. Aus ihrer Zeit als Museumsdirektorin hat Gertrud Dorka Diensttagebücher hinterlassen, in denen sie auch ihre Reisen festgehalten hat. Wir begleiten sie heute und in der kommenden Woche mit einem Blogbeitrag auf ihren Fahrten in den Süden. Danach geht es noch nach Österreich.
All das ist möglich, weil wir im Archiv des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin mit den Tagebüchern, Bildern und weiteren Quellen von Gertrud Dorka arbeiten konnten.
Im Urlaub mit der Berliner Archäologin Gertrud Dorka weiterlesenGertrud Eichhorn, geb. Rössel (1890-1979)
Heute, am 6. Januar 2025, jährt sich der Tod von Gertrud Eichhorn zum 46. Mal. Wir haben Euch die Prähistorikerin aus Jena vor längerer Zeit in einem Blogbeitrag vorgestellt, in dem es um Frauen ging, die als Zuarbeiterinnen ihrer männlichen Angehörigen betrachtet wurden und heute weitgehend vergessen sind. Leider hatten wir damals kein Foto von Gertrud Eichhorn.
Das ist nun anders. Gertrud Albrecht, die Enkelin von Getrud Eichhorn, hat uns ein Bild geschickt, auf dem ihre Großmutter bei der Hochzeit mit ihrem zweiten Ehemann, Hermann Hucke, zu sehen ist.
Das nehmen wir zum Anlass, noch einmal zu berichten, was wir über Gertrud Eichhorn wissen.

