Digital resources in the Social Sciences and Humanities OpenEdition Our platforms OpenEdition Books OpenEdition Journals Hypotheses Calenda Libraries OpenEdition Freemium Follow us

Von Vilnius nach Los Angeles: Auf den Spuren von Marija Gimbutas (1921-1994)

Von Elsbeth Bösl

Hausfassade mit Gedenktafel
Marija Gimbutas Geburtshaus in Vilnius, Foto: Bösl

An diesem Haus in Litauens Hauptstadt Vilnius geht man heute vielleicht achtlos vorbei, wenn man nicht weiß, wer hier am 23. Januar 1921 geboren wurde: Es ist das Geburtshaus von Marija Birutė Alseikaitė, später international bekannt unter dem Namen Marija Gimbutas – eine der bekanntesten Archäologinnen des 20. Jahrhunderts.

Es gibt nicht viele Archäologinnen aus dem Osten Europas, deren Name weit über das eigene Fach hinaus bekannt geworden ist. Marija Gimbutas gehört  zu diesem kleinen Kreis. Ihr Name steht für die Kurgan-Hypothese, für die Erforschung des sogenannten „Alteuropa“, für die Vorstellung einer vorindoeuropäischen, von Göttinnen geprägten Gesellschaft – und nicht zuletzt für eine Sparte der europäischen Archäologie, die sich mit großen Fragen nach Geschlecht, Macht und Religion beschäftigte.

Wer sich heute in Vilnius auf die Spuren von Marija Gimbutas begibt, stößt auf eine Wissenschaftlerin, deren späteres Werk und Engagement tief mit den Erfahrungen ihrer Kindheit und Jugend, mit der baltischen Geschichte, der litauischen Kultur und der verheerenden politischen Geschichte Europas im 20. Jahrhundert verbunden war.

Eine junge Archäologin zwischen Vilnius, Kaunas und Tübingen

Marija Gimbutas wuchs in einem intellektuellen und stark litauisch geprägten Elternhaus in Jogailos gatvė 11 (Jogaila-Straße 11) in Vilnius auf. Ihre Mutter Veronika Alseikienė (1883-1971) war Augenärztin, ihr Vater Danielius Alseika (1881-1936) war ebenfalls Arzt und zugleich politisch und kulturell engagiert. In der elterlichen Wohnung verkehrten regelmäßig Schriftsteller:innen, Künstler:innen und Intellektuelle; unter Ihnen war zum Beispiel der litauische Nationalhistoriker und Folklorist Jonas Basanavičius (1851-1927) , dem Marija Gimbutas später eine wichtige Bedeutung für ihre intellektuelle Entwicklung zuschrieb. Schon früh befasste sie sich mit litauischem Brauchtum und Mythologie.

1931 verließ die Mutter mit Marija und ihrem Bruder Vilnius und zog nach Kaunas. Marija schloss 1938 das dortige Aušra Gymnasium ab. Anschließend studierte sie an der Vytautas-Magnus-Universität in Kaunas Linguistik und wechselte später an die Universität Vilnius, wo sie Archäologie, Ethnologie, Literaturwissenschaft und Volkskunde studierte. 1941 heiratete sie den Architekten Jurgis Gimbutas (1918-2001) . 1942 bekam sie ihre Tocher Danutė und schloss noch im selben Jahr ihr Studium der Archäologie mit dem Magister ab. In ihrer Abschlussarbeit beschäftigte sie sich mit den eisenzeitlichen Bestattungssitten in Litauen. Unmittelbar danach begann sie mit der Arbeit an ihrer Dissertation. Längst beeinflusste jedoch der Zweite Weltkrieg ihr Leben und das ihrer Familie.

Seit 1940 war Litauen von der Sowjetunion besetzt und in eine Sowjetrepublik verwandelt worden. 1941 wurde Litauen von NS-Deutschland besetzt. Marija Gimbutas floh 1944 mit Ehemann und Tochter vor der nun erneut vorrückenden sowjetischen Armee über Wien nach Tübingen. Ihre Mutter musste sie zurücklassen. In Deutschland kam ihre zweite Tochter, Živilė, zur Welt.

Trotz Flucht und der erneuten Mutterschaft setzte Marija Gimbutas ihre akademische Laufbahn fort. In Tübingen promovierte sie 1946 bei Kurt Bittel (1907-1991) mit der deutschen Übersetzung ihrer 1942 begonnenen Arbeit über vorgeschichtliche Bestattungen in Litauen (Gimbutas 1946). Bis 1949 studierte sie weiter an den Universitäten Tübingen, Heidelberg und München.

Porträt im Rahmen an einer Wand
Porträt von Marija Gimbutas in der sogenannten Ahnengalerie des Instituts für Vor- und Frühgeschichte im Schloss Hohentübingen, Foto: Erika Thummerer
Titelblatt der Dissertation
Das Titelblatt der 1946 auf Deutsch erschienenen Dissertation.

1949 emigrierte sie schließlich in die Vereinigten Staaten. Damit begann ihr außergewöhnlicher transatlantischer Lebensweg: Sie begann in der neuen Welt als Übersetzerin und Lecturer an der Universität Harvard, wo sie ihre umfassenden Sprachkenntnisse einsetzen konnte. Ab 1950 arbeitete Marija Gimbutas dort mit verschiedenen renommierten Stipendien  an ihrer Studie „Prehistory of Eastern Europe“ (1956) und wurde dann Research Fellow am dortigen Peabody Museum. Hinzu kamen Forschungsaufenthalte an der Universität Stanford und eine Lehrtätigkeit in Harvard. Unterdessen schrieb sie mehrere Bücher. 1954 hatte sie noch eine dritte Tochter, Rasa Julija, geboren.

Abfotografiertes Foto von Mutter und Kind
Marija Gimbutas mit ihrer jüngsten Tochter, 1956 in den USA, Quelle: Nacev Skomal, Susan/Polomé, Edgar C. (Hrsg.): Proto-Indo-European: The Archaeology of a Linguistic Problem. Studies in Honor of Marija Gimbutas, Washington, D.C. 1987, Tafel.

1963 zog sie mit ihrer Familie nach Kalifornien, wo sie 1964 an der University of California in Los Angeles (UCLA) zur Professorin für europäische Archäologie und Indogermanistik berufen wurde. Dort entwickelte sich zu einer der prägenden Persönlichkeiten der amerikanischen prähistorischen Archäologie mit europäischem Schwerpunkt. Sie warb zahlreiche Fördermittel und Stipendien für ihre Projekte ein und verwirklichte Grabungen im damaligen Jugoslawien sowie in Süditalien und Griechenland.

Diese Biografie macht Gimbutas zu einer besonders interessanten Figur für die Wissenschafts- und Frauengeschichte der Archäologie: Sie machte nicht nur in einer, sondern in mehreren nationalen Forschungstraditionen Karriere und ihre wissenschaftliche Welt war von Anfang an mehrsprachig und von ihrer Migrationserfahrung geprägt.

Marija Gimbutas steht lachend zwischen einer Kollegin und einem Kollegen in einer Hügellandschaft.
Archiv der RGK, Nachlass Werner Krämer Album 2, undatiert (ca. 1955, vermutlich in Jugoslawien)

Die Kurgan-Hypothese: Wie kamen die Indoeuropäer:innen nach Europa und was hat das alles mit den Göttinnen zu tun?

Anfangs erlangte Marija Gimbutas wissenschaftliche Bekanntheit durch ihre Forschungen zur europäischen Vorgeschichte und zur Herkunft der indoeuropäischen Sprachen. 1956 formulierte sie ihre später als Kurgan-Hypothese bezeichnete Theorie. Vereinfacht gesagt ging sie davon aus, dass sich die frühen indoeuropäischen Sprachen und Kulturen im Neolithikum bzw. in der Kupferzeit von Bevölkerungsgruppen aus den Steppen nördlich des Schwarzen Meeres nach Europa ausbreiteten. Als kennzeichnend für diese Gruppen sah sie bestimmte Bestattungssitten in Grabhügeln, den sogenannten Kurganen an. In ihren Forschungen verband Marija Gimbutas archäologische, sprachwissenschaftliche und ethnologische sowie religionsgeschichtliche Beobachtungen miteinander – diese gemischte Methode war in der mitteleuropäischen Archäologie der 1950er Jahre aber durchaus umstritten.

Sie bezeichnete die neolithischen Gesellschaften Südosteuropas als „Alteuropa“ oder „Old Europe“ und stellte diesen den auf sie treffenden, aus den Steppen kommenden mobilen Kurgankulturen gegenüber. Die Bevölkerungen Alteuropas beschrieb sie als sesshafte, bäuerlich wirtschaftende, friedliche Gesellschaften mit egalitären sozialen Strukturen und einer spezifischen religiösen Symbolik, die das Weibliche betonte. In den Funden anthropomorpher Figuren und anderer Bildzeichen sah sie Belege für ein komplexes religiöses Systems mit einer großen Göttin beziehungsweise weiblichen Gottheiten im Zentrum. Sie publizierte diese Thesen in äußerst populären Büchern wie “The Gods and Goddesses of Old Europe” (1974), “The Language of the Goddess” (1989) und vor allem “The Civilization of the Goddess” (1991).

Titelblatt des Buchs

Ihre ab den 1970er Jahren erschienenen Bücher fanden in einer Phase des weltweit erstarkenden Feminismus und der Zweiten Frauenbewegung viel Anklang. Insbesondere Anhänger:innen von Matriarchatsthesen lasen sie begeistert. Allerdings vertrat Marija Gimbutas gar keine einfache Matriarchatsvorstellung. Das „Alteuropa“ ihrer Vorstellung war keine simple Herrschaft von Frauen über Männer, sondern „gynozentrisch“ beziehungsweise „matristisch“, also eher charakterisiert durch eine hohe Verehrung der Frau und eine weibliche Prägung von Kultur und Gesellschaft. Verstanden wurden ihre Forschungen aber als Beweis für eine vorpatriarchale, friedliche und von Frauen beziehungsweise Göttinnen geprägte europäische Vergangenheit. In diesem Bild erschienen die von Marija Gimbutas erforschten Kurgan-Gesellschaften wie ein Gegenbild: hochmobil, hierarchisch gegliedert, gewaltsam und patriarchal. Indem sie sich nach Alteuropa ausbreiteten, lösten sie einen tiefgreifenden kulturellen Wandel aus.

Diese Erzählung war und ist höchst kontrovers. Am umstrittensten sind ihre Schlussfolgerungen über die sozialen und religiösen Strukturen. Andere Archäolog:innen fanden, dass sie zu weitreichende Interpretationen aus dem Material zog. Zwischen Marija Gimbutas und ihrem Kollegen Colin Refrew entspann sich eine richtige Forschungskontroverse (Renfrew 1987, dazu direkt Gimbutas 1988) über die Mobilität von Steppenpopulationen, wenngleich man auch diese heute als Produkte ihrer Entstehungszeit lesen muss.

Hier ist es wichtig, zwischen der Kurgan-Hypothese in ihrem ursprünglichen Zuschnitt nach Marija Gimbutas und der aktuellen sogenannten Steppe Theory zu unterscheiden. Paläopopulationsgenetische Forschungen auf der Basis alter DNA (aDNA) aus der Gräberarchäologie haben die Vorstellung in den letzten Jahren gestützt, dass die Ausbreitung von sogenannten Steppenpopulationen eine ausschlaggebende Rolle bei der Verbreitung indoeuropäischer Sprachen in Europa spielte. Besonders viel Einfluss hatte die Studie von Wolfgang Haak et al. von 2015. Das Team des damaligen MPI für Menschheitsgeschichte in Jena zeigte, dass Populationen aus der Steppe massiv genetisch zu Bevölkerungen des spätneolithischen Europa beitrugen (Haak et al 2015). Diese Aussagepotentiale der Archäogenetik hat Marija Gimbutas nicht mehr kennengelernt. Wichtig ist aber, dass die aktuelle aDNA-Forschung Gimbutas These keineswegs durchgehend, aber in einigen Teilen bestätigt. Vor allem können die aDNA-Daten aber nur etwas zur genetischen Geschichte Europas und seiner Bevölkerungen sagen, während die materiellen Quellen der Archäologie die kulturelle, soziale und wirtschaftliche Entwicklung zugänglich machen.


Zwischen Wissenschaft und „Göttinnenbewegung“

In der Kontroverse um die gynozentrischen Kulturen Alteuropas liegt ein Großteil der historischen Bedeutung von Marija Gimbutas, denn sie hat die Fragen gestellt, die vor ihr nicht viele und vor allem nicht so hörbar, gestellt hatten: Welche Bedeutung hatte die Kategorie Geschlecht in vergangenen Gesellschaften und welche Rolle spielten insbesondere Frauen? Woran lässt sich soziale Ungleichheit archäologisch ablesen?

In den USA wurde Marija Gimbutas weit über die Archäologie hinaus bekannt, weil Teile der feministischen Bewegung ihre Thesen von der möglichen vorpatriarchalen, gynozentrischen Vergangenheit seit den 1970er Jahren begeistert aufgriffen. Dort hatte damals das Goddess Movement zahlreiche Anhänger:innen.

Dies war eine seit den späten 1960er-, vor allem aber in den 1970er und 1980er Jahrenv.a. an der amerikanischen Westküste entstandene kulturelle und spirituelle Bewegungen an der Schnittstelle von Feminismus, Neopaganismus, Ökologiebewegung und Religionskritik. Es hatte mehrere Strömungen, darunter die Wiederaneignung der Hexe als positives feministisches Symbol und die Kritik an den als patriarchal empfundenen jüdisch-christlichen Religionen, in denen Gott selbstverständlich als männlich gedacht wurde und religiöse Autorität bei Männern lag. Dem wurde die Vorstellung des weiblichen Göttlichen – „the Goddess“ – entgegengesetzt, wobei es wiederum sehr unterschiedliche Vorstellungen davon gab, ob dies eine tatsächliche Gottheit oder  eher eine weibliche sakrale Kraft sein sollte (Eller 1993).

Das Goddess Movement entwickelte eine enorme Begeisterung für die Archäologie. Dabei lautete eine sehr einflussreiche Idee, dass es vor den patriarchalen Gesellschaften friedlichere, egalitäre oder rein matriarchale Kulturen gegeben habe, in denen Göttinnen verehrt worden seien. Marija Gimbutas wurde als wissenschaftliche Kronzeugin für die Möglichkeit einer Gesellschaft jenseits von Patriarchat, Krieg und hierarchischer Herrschaft gefeiert. Archäologische Objekte wurden hier zu Ressourcen für die politische und religiöse Identitätsbildung der Frauenbewegung. Dabei ging die religiös-feministische Interpretation archäologischer Befunde jedoch erheblich weiter, als die archäologischen Quellen erlaubten und Gimbutas selbst argumentiert hätte. Kritik erreichte das Goddess Movement nicht nur aus der archäologischen Wissenschaft (Meskell 1995; Tringham/Conkey 1998), sondern auch aus anderen Strömungen des Feminismus, wo die Göttinnenbegeisterung als essentialistische Deutung von Weiblichkeit und die Konstruktion eines prähistorischen Matriarchats als romantische Verklärung verstanden wurde (Eller 2000).

Erinnerung an Marija Gimbutas in den USA und in Europa

In den USA ist die Erinnerung an Marija Gimbutas bis heute sehr viel präsenter als in Mitteleuropa. Ihr Nachlass wird am OPUS Archives and Research Center des Pacifica Graduate Institute in Kalifornien https://www.opusarchives.org/ gepflegt. Es erstellte zudem eine digitale Führung zu ihrem Leben und Werk unter dem Titel „Archaeomythology of a Goddess: A Virtual Gallery Talk with OPUS Archives & Research Center“. Das Cotsen Institute of Archaeology der UCLA veranstaltete zu ihrem hundertsten Geburtstag 2021 Vorlesungen und Diskussionsabende über die inzwischen durch archäogenetische Forschung neu bewertete Kurgan-Hypothese.

In Litauen wiederum ist Marija Gimbutas auf eine etwas andere Weise präsent, denn hier gehört sie zum kulturellen und wissenschaftlichen Selbstverständnis des Landes. Marija Gimbutas hat zwar den größten Teil ihrer wissenschaftlichen Karriere außerhalb Litauens verbracht, aber die Verbindung zu ihrer Heimat blieb auch im Kalten Krieg eng. Sie beschäftigte sich einerseits mit Archäologie, Mythologie und Brauchtum des Baltikums und bemühte sich immer wieder um Besuche. 1979 verlieh ihr die Universität Vilnius einen Ehrentitel. In den USA engagierte sich Marija Gimbutas andererseits für Geflüchtete aus dem Baltikum und für die Förderung von Baltikumstudien. Nach der Wiedererlangung der litauischen Unabhängigkeit besuchte Marija Gimbutas mehrfach Litauen. 1993 erhielt sie die Ehrendoktorwürde der Vytautas-Magnus-Universität in Kaunas.

Zu ihrem 100. Geburtstag erklärte Litauen das Jahr 2021 zum Jahr Marija Gimbutienės. In Vilnius widmete das Nationalmuseum ihr die große Ausstellung „Goddesses and Warriors: 100 Years to Marija Gimbutas“. Diese präsentierte ihre wissenschaftlichen Befunde und Theorien und ihre Biografie und betonte ihre Bedeutung als litauische Wissenschaftlerin. Künstler:innen wurden eingeladen, um sich künstlerisch mit der Person und dem Werk von Marija Gimbutas auseinanderzusetzen.

In Vilnius fand zudem die internationale Konferenz „The New Old Europe“ statt. Veranstaltet wurde sie von der Universität Vilnius, der Gesellschaft für Litauische Archäologie, dem Nationalmuseum und der Akademie der Wissenschaften. Bemerkenswert ist, dass das Programm Marija Gimbutas ausdrücklich nicht nur als große Wissenschaftlerin feierte, sondern ihre Arbeiten auch kritisch aus unterschiedlichen Perspektiven diskutierte – von Archäologie und Anthropologie über Linguistik und Genetik bis hin zur Frage nach den baltischen Ursprüngen ihrer Theorien und der Frage, was denn nun spezifisch ‚litauisch‘ an ihnen sei.

In Litauen ist Marija Gimbutas heute fast so etwas wie eine nationale Ikone. Dort wird vorrangig daran erinnert, dass sie sich mit der Geschichte und Kultur des Baltikums befasst hat und diesem aus seiner Randstellung in der europäischen Vor- und Frühgeschichte verhelfen wollte. In seiner Studie über Marija Gimbutas’ Theorie zur ethnischen Herkunft der baltischen Nationen argumentiert zum Beispiel der Archäologe Algimantas Merkevičius, dass sie sich in den USA als aktiven Teil der litauischen Exilgemeinschaft verstand und sich gegen die die sowjetische Herrschaft über Litauen engagierte (Merkevičius 2024). Dabei schlug sie, das muss klar gesagt werden, offen nationalistische Töne an.

Briefmarke der litauischen Post
Briefmarke der litauischen Post zu Ehren von Marija Gimbutas 2021

Zum Abschluss

Marija Gimbutas gehört also keineswegs zu den vergessenen Archäologinnen, die erst wiederentdeckt werden müssten. Im Gegenteil: Ihre Bücher werden weiterhin rezipiert, ihre persönliche Geschichte wird ausgestellt, ihre Ideen in sehr unterschiedlichen politischen und kulturellen Zusammenhängen noch diskutiert.

Ihre Spuren reichen heute von Litauen bis Kalifornien, von der Archäologie bis zur feministischen Theorie, von der Geschichte der Indogermanistik bis zur modernen Archäogenetik.

Straßenansicht des Geburtshauses in Vilnius

Marija Gimbutas starb am 2. Februar 1994 in Los Angeles. Beigesetzt wurde sie jedoch in Kaunas. Ihr Lebensweg endete damit dort, wo ihre wissenschaftliche Biografie begonnen hatte: in Litauen.

Literatur und Quellen

Biaggi, Cristina/Wilshire, Donna: Marija Gimbutas, in: Dialogues d’histoire ancienne 20 (1994), H. 1, 7–10.

Bräuning, Andrea: Wider das Vergessen. Professorinnen in der Archäologie (Vor- und Frühgeschichte), in: Bagley, Jennifer M./Neumann, Daniel/Schefzik, Michael (Hrsg.): Alpen, Kult und Eisenzeit. Festschrift für Amei Lang zum 65. Geburtstag, Rahden/Westf. 2009, 9–24.

Eller, Cynthia: Living In The Lap Of Goddess. The Feminist Spirituality Movement in America, New York 1993.

Eller, Cynthia: The Myth of Matriarchal Prehistory – Why an Invented Past Won’t Give Women a Future, Boston 2000.

Haak, Wolfgang et al.: Massive migration from the steppe was a source for Indo-European languages in Europe, in:  Nature 522 (2015), Nr. 7555, 207–211

Kästner, Sibylle/Maier, Viola/Schülke: From Pictures to Stories – Traces of female. Doktorinnen, Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen, in: Margarita Diaz-Andreu/Marie Louise Stig Sorensen (Hrsg.): Excavating Women. A History of Women in European Archaeology, London 1998, 266–294.

Marler, Joan (Hrsg.): From the Realm of the Ancestors. An Anthology in Honor of Marija Gimbutas, Manchester 1997.

Merkevičius, Algimantas: Marija Gimbutas and the Ethnic Origin of the Baltic Nation, in: Archaeologia Lituana 24 (2024), 10–18.

Merkyté, Inga: Marija Gimbutas – eine Archäologin aus Litauen, in: Archäologie in Deutschland 38 (2022), Nr. 6, 48-49.

Meskell, Lynn: Goddesses, Gimbutas and ‘New Age’ Archaeology, in: Antiquity 69 (1995), 74–86.

Milišauskas,  Šarūnas/Hudson, Kathryn: Marija Gimbutas (Gimbutienė): the Baltic goddess, in: Lietuvos archeologija 47 (2021), 55–89.

Nacev Skomal, Susan/Polomé, Edgar C. (Hrsg.): Proto-Indo-European: The Archaeology of a Linguistic Problem. Studies in Honor of Marija Gimbutas, Washington, D.C. 1987.

Navickaitė, Rasa: Marija Gimbutas. Transnational Biography, Feminist Reception, and the Controversy of Goddess Archaeology, New York 2023.

Renfrew, Colin: Archaeology and Language. The Puzzle of Indo-European Origins, London 1987.

Robbins Dexter, Miriam/Polomé, Edgar C. (Hrsg.): Varia on the Indo-European Past: Papers in Memory of Gimbutas, Marija, Washington, DC 1997.

Tringham, Ruth/Conkey, Margaret: Rethinking Figurines: a critical analysis of Archaeology, Feminism and Popular Culture, in: Ancient Goddesses: The Myths and the Evidence, hrsg. v. Christine Morris/Lucy Goodison, London 1998, 22–45.

Cover des Buches "Das Ende Alteuropas"

Eigene Schriften von Marija Gimbutas (Auswahl)

Ancient Symbolism in Lithuanian Folk Art, Philadelphia PA 1958.

Baltai priešistoriniais laikais. Etnogenezė, Vilnius 1985.

Bronze Age Cultures in Central and Eastern Europe, Den Haag u. a. 1965.

Das Ende Alteuropas. Der Einfall von Steppennomaden aus Südrussland und die Indogermanisierung Mitteleuropas, Innsbruck u. a. 1994.

Die Balten. Geschichte eines Volkes im Ostseeraum, München 1983.

Die Bestattung in Litauen in der vorgeschichtlichen Zeit, Tübingen 1946.

Die Ethnogenese der europäischen Indogermanen, Innsbruck 1992.

Die Sprache der Göttin. Das verschüttete Symbolsystem der westlichen Zivilisation Frankfurt a.M. 1995.

Die Zivilisation der Göttin. Die Welt des Alten Europa, Frankfurt a. M. 1996.

Göttinnen und Götter des Alten Europa. Mythen und Kultbilder 6500 bis 3500 v. Chr, Arun 2010.

Kurgan Culture and the Horse, in:  Current Anthropology, 27 (1986), H. 4, 305–307.

Neolithic Macedonia. As Reflected by Excavation at Anza, Southeast Yugoslavia, Los Angeles, CA 1976.

Old Europe c. 7000–3500 BC: The earliest European civilization before the infiltration of the Indo-European peoples, in: The Journal of Indo-European Studies 1 (1973), H. 1, 1–21.

Review of Colin Renfrew, Archaeology and Language, in: Current Anthropology 29 (1988), 453–456.

The Balts, London 1963.

The Civilization of the Goddess, San Francisco, CA u.a. 1991.

The First Wave of Eurasian Steppe Pastoralists into Copper Age Europe in: The Journal of Indo-European Studies (1977), H. 4, 1977, 277–338.

The Gods and Goddesses of Old Europe. 7000 to 3500 BC. Myths, Legends and Cult Image, London 1974.

The Indo-Europeans: Archaeological Problems, in: American Anthropologist 65 (1963), H. 4, 815–836.

The Kurgan Culture and the Indo-Europeanization of Europe. Selected Articles from 1952 to 1993 , Hrsg. v. Miriam Robbins Dexter/Karlene Jones-Bley, Washington DC 1997.

The Kurgan Wave #2 (c.3400–3200 BC) into Europe and the Following Transformation of Culture, in: The Journal of Indo-European Studies 8 (1980), H. 3/4, 273–315.

The Language of the Goddess. Unearthing the Hidden Symbols of Western Civilization, San Francisco, CA u. a. 1989.

The Prehistory of Eastern Europe. 1: Mesolithic, Neolithic and Copper Age Cultures in Russia and the Baltic Area, Cambridge, MA 1956.

The Slavs, London 1971.

Women and Culture in Goddess-oriented Old Europe, in: Charlene Spretnak (Hrsg.): The Politics of Women’s Spirituality. Essays on the Rise of Spiritual Power within the Feminist Movement, New York, NY u. a. 1982, 22–31.

Diesen Blog zitieren: Elsbeth Bösl: Von Vilnius nach Los Angeles: Auf den Spuren von Marija Gimbutas (1921-1994), in: AktArcha - Akteurinnen archäologischer Forschung und ihre Geschichte(n), 24.09.2026, URL: https://aktarcha.hypotheses.org/12522

	

Ein Buch über unsichtbare Frauen: Uncredited von Allison Tyra

Warum kennen wir so viele berühmte Wissenschaftler, Künstler, Entdecker und Erfinder, aber vergleichsweise wenige Frauen, die in denselben Bereichen wirkten? Eine häufige Antwort lautet, Frauen hätten in früheren Jahrhunderten schlicht weniger Möglichkeiten gehabt, zu forschen oder selbständig zu arbeiten. Allison Tyra, Gründerin der Webseite Infinite Women und Host des gleichnamigen Podcasts, zeigt in ihrem Buch Uncredited: Women’s Overlooked, Misattributed, and Stolen Work, dass diese Erklärung zu kurz greift. Frauen waren keineswegs abwesend: Ihre Leistungen wurden vielmehr übersehen, abgewertet, falsch zugeschrieben oder von anderen vereinnahmt.

Ein Buch über unsichtbare Frauen: Uncredited von Allison Tyra weiterlesen

Angela von den Driesch, geb. Karpf (1934–2012): Pionierin der Archäozoologie

von Elsbeth Bösl

Die Archäozoologin Angela von den Driesch (1934-2012) gehörte zu jener Generation von jungen Wissenschaftlerinnen, die nach dem Zweiten Weltkrieg neue Forschungsfelder etablierten und interdisziplinäre Brücken bauten. Zugleich kämpften sie gegen die strukturellen Benachteiligungen von Frauen an den Universitäten.

Wir erzählen Euch im Folgenden nicht nur etwas über ihr Leben als Forscherin, sondern auch über die Entwicklung des jungen wissenschaftlichen Fachs der Archäozoologie und der langsam zunehmenden Öffnung der Hochschulen für Frauen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Porträt von Angela von den Driesch als ältere Frau, darunter ihre Unterschrift.
Quelle: Becker, Cornelia et al. (Hrsg.): Historia animalium ex ossibus. Beiträge zur Paläoanatomie, Archäologie, Ägyptologie, Ethnologie und Geschichte der Tiermedizin. Festschrift für Angela von den Driesch zum 65. Geburtstag, Rahden/Westf. 1999.
Angela von den Driesch, geb. Karpf (1934–2012): Pionierin der Archäozoologie weiterlesen

Die National Archives haben Digitalisate der NSDAP-Mitgliederkartei frei zugänglich online gestellt – was bedeutet das für die historisch-biografische Forschung?

von Elsbeth Bösl

Große deutsche Medien wie DER SPIEGEL, Die Zeit und die Süddeutsche Zeitung berichteten vor wenigen Wochen ausführlich über die Digitalisierung der NSDAP-Mitgliederkartei. Sie lenkten die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit auf einen historischen Quellenbestand, den Historiker:innen schon lange kennen und nutzen. Die Rede ist von den nun von den National Archives and Records Administration (NARA)  in den USA offen zugänglich gemachten Quellenbeständen des sogenannten Berlin Document Center. Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht die Mitgliederkartei der NSDAP. Für historisch-biografische Recherchen sind diese Quellen wertvoll, etwa um individuelle Lebenswege und die Verstrickung in das NS-Regime nachzuvollziehen, aber auch um Netzwerke sichtbar zu machen. Auf den Sozialen Medien trendet das Thema v.a. unter der Überschrift „War Opa ein Nazi?“, auf Reddit und YouTube gibt es How-to-Anleitungen und die Kommentarspalten sind voll von Usern, die erzählen, was sie gefunden haben, und wie sie nun damit umgehen.

Wir greifen diese öffentliche Diskussion auf und berichten Euch im Folgenden aus unseren Erfahrungen mit der NSDAP-Mitgliederkartei.

Bisher haben wir für unsere historisch-biografischen Recherchen immer Anfragen an das Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde gestellt, das die Kartei im Original aufbewahrt. Da die Anfragen aber sehr langwierig sind, haben wir uns nicht bei allen in Frage kommenden Frauen an das Bundesarchiv gewandt. Als die Kartei online frei zugänglich ist wurde, haben wir die Gelegenheit sofort genutzt, um die neue Ressource auszuprobieren und weitere Daten über die Archäologinnen zu erheben.

Die National Archives haben Digitalisate der NSDAP-Mitgliederkartei frei zugänglich online gestellt – was bedeutet das für die historisch-biografische Forschung? weiterlesen

Frauen im Netzwerk der ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger:innen in Berlin zwischen ca. 1920 und 1955

von Elsbeth Bösl und Doris Gutsmiedl-Schümann

Im heutigen Beitrag schließen wir an unser Thema „weibliche Netzwerke“ an. Wir stellen Euch einige Frauen aus Berlin vor, die dort in der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflege tätig waren – etwa in den Jahren zwischen 1920 und 1955. Über die meisten von ihnen wissen wir bisher nur sehr wenig. Eines aber hatten sie gemeinsam: Sie alle waren durch die Vorgeschichtskurse am Märkischen Museum, nach ihrem Gründer auch „Kiekebusch-Kreis“ zur prähistorischen Archäologie gekommen. Und die meisten von ihnen waren als Lehrerinnen tätig.

Frauen im Netzwerk der ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger:innen in Berlin zwischen ca. 1920 und 1955 weiterlesen

Zum 50. Todestag von Gertrud Dorka

von Elsbeth Bösl und Doris Gutsmiedl-Schümann

Die Museumsdirektorin am Schreibtisch
Gertrud Dorka, um 1947/48, Quelle: SMB/MVF F5025

Am 14. Februar 2026 gedenken wir einer außergewöhnlichen Persönlichkeit der Berliner Archäologie und Museumswelt: Gertrud Dorka, die vor 50 Jahren verstarb, aber mit ihrem Engagement und ihren Leistungen bis heute nachwirkt. In diesem Jahr gibt es eine bedeutsame Nachricht, die wir gerne teilen möchten:

Nach langer intensiver Suche hat Danka Metz das Grab von Gertrud Dorka auf dem Friedhof in Berlin-Wilmersdorf entdeckt – maßgeblich unterstützt durch Horst Junker am Archiv des Museums für Vor- und Frühgeschichte Berlin.

Für AktArcha ist dieser Fund ist sehr wichtig, denn er verortet aufs Neue die Erinnerung an eine der bemerkenswertesten Frauen in der deutschen Museumslandschaft. Wir danken Danka Metz sehr dafür, dass sie uns dieses Foto zur Verfügung gestellt hat:

Das Urnengrab mit der Aufschrift Dr. Gertrud Dorka 1893-1976
Das Urnengrab auf dem Friedhof Willmersdorf, Kalischer Str. 17, 10713 Berlin, Kolumbarium, Raum 23, Wand E, Reihe 4, Nr. 003. Foto: Danka Metz
Zum 50. Todestag von Gertrud Dorka weiterlesen

KvinArk lädt ein – und ich war dabei!

Gastbeitrag von Svenja Biedinger

Im Jahr 2025 bestand für die dänischen Frauen Grund zum Feiern. Seit 150 Jahren ist es Frauen in Dänemark gestattet, die Universität zu besuchen. Doch was bedeutet das für die Archäologinnen von damals bis heute? Dieser Frage sind KvinArk und das SAXO-Institut der Universität Kopenhagen auf den Grund gegangen und haben am 20. November 2025 zu „Kend din arkæologihistorie – Arkæologiens kvinder fra felt til forskning”, übersetzt „Kenne deine Archäologiegeschichte – die Frauen der Archäologie von Feldarbeit bis Forschung“ eingeladen. Ungefähr 200 Teilnehmer*innen sind der Einladung in Präsenz gefolgt, weitere konnten online zuschauen. Im Folgenden möchte ich meine Eindrücke schildern.

KvinArk lädt ein – und ich war dabei! weiterlesen

Irmgard Woldering (1919 – 1969) Ägyptologin und Museumsdirektorin in Hannover

von Anne Viola Siebert

Die deutsche Museumslandschaft besteht heute aus etwa 7.000 Einrichtungen, von denen nur ein geringer Teil – rund 2.100 – von Frauen geleitet werden . Das wird insbesondere auf Traditionen und gesellschaftliche Rollenbilder zurückgeführt, die sich ab der Gründungsphase der Museen, oft in den 1960er Jahren, manifestierten. Die Aufgaben der Museumsleitung und die wissenschaftliche Arbeit waren lange Zeit stark männlich geprägt; erst spät, überwiegend ab den 1980er Jahren, konnte sich ein Wandel vollziehen, trotz gleichstellungspolitischer Fortschritte und entsprechender Bestimmungen in den öffentlichen Einrichtungen.

Die Gleichberechtigung – auch im Kulturbereich – war in der Praxis über Jahrzehnte von strukturellen Hürden begleitet. Zwar sah der Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes  seit 1949 die Gleichstellung von Männern und Frauen vor, doch spielte das für die Besetzung musealer Führungspositionen faktisch lange keine Rolle. Unzureichende Repräsentation weiblicher Wissenschaftlerinnen blieb eine Konstante; dies wurde gesellschaftlich durch tradierte Erwartungen an den Lebensweg und die Familienrolle von Frauen zusätzlich verstärkt.

Im Mittelpunkt dieses Beitrags steht mit Dr. Irmgard Woldering eine Frau, die diesbezüglich eine Ausnahme darstellt.


Porträtaufnahme
Irmgard Woldering kurz nach der Berufung zur Direktorin 1955, Quelle: Museum August Kestner. Repro: D. Jürges.


Irmgard Woldering (1919 – 1969) Ägyptologin und Museumsdirektorin in Hannover weiterlesen

Wenn Frauen andere Frauen sichtbar machen – eine Quelle aus dem Jahr 1955

Von Elsbeth Bösl und Doris Gutsmiedl-Schümann

Wenn es in Ratgebern und auf Konferenzen über das Sichtbarmachen von Frauen geht, kommt oft die Frage auf, mit welchen konkreten Mitteln und einfachen Maßnahmen das denn geschehen kann. Was kann jede Forscherin tun, um andere Forscherinnen sichtbarer zu machen? Ein Vorschlag wird immer wieder gemacht: Frauen sollen andere Frauen vorschlagen, wenn sie nach einer Expertin für ein wissenschaftliches Thema oder nach einer Referentin für eine Tagung oder einer Interviewpartnerin für die Medien gefragt werden: “Wenn Dich jemand nach einem Experten fragt, schlag eine Expertin vor.”

Diese Zielrichtung verfolgen auch Expertinnenportale wie Speakerinnen.org, femconsult und bis vor Kurzem AcademiaNet. Es gibt auch #100TechFrauen und #Innovative Frauen.

Dieser Beitrag gehört zu unserer lockeren Serie über weibliche Netzwerke. Wir wollen darin herausfinden, wie wir diese in den Quellen erkennen können.

Wenn Frauen andere Frauen sichtbar machen – eine Quelle aus dem Jahr 1955 weiterlesen

Frauensolidarität und weibliche Netzwerke im Kalten Krieg: Das Zusammentreffen von Hanna Rydh und Gertrud Dorka 1950/1951

von Elsbeth Bösl und Doris Gutsmiedl-Schümann

Wir beginnen mit einem Quellenfund aus dem Archiv des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin: Die Korrespondenz von Gertrud Dorka (1893-1976), der ersten Direktorin des Museums von 1947 bis 1958, mit der schwedischen Archäologin, Feministin und Politikerin Hanna Rydh (1891-1964) und einige dazugehörige Einträge im Diensttagebuch Gertrud Dorkas.

Dieser kleine Quellenfund führt uns vom Kleinen, Lokalen ins Große und Internationale.

Die Geschichte beginnt 1947 bei Gertrud Dorka in der Ruine des Martin-Gropius-Baus in Berlin, bei ihrem schwierigen Alltag als Direktorin des Ehemals staatlichen Museums für Vor- und Frühgeschichte Berlin. Wir stellen Euch dann aber auch ausführlich Hanna Rydh vor und werfen einen Blick auf lokale und internationale Frauenvereinigungen im frühen Kalten Krieg.

Dies ist der erste Teil einer lockeren Artikelserie über Frauennetzwerke und die Suche danach in den historischen Quellen. Hier gehts zum Intro.

Frauensolidarität und weibliche Netzwerke im Kalten Krieg: Das Zusammentreffen von Hanna Rydh und Gertrud Dorka 1950/1951 weiterlesen