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Angela von den Driesch, geb. Karpf (1934–2012): Pionierin der Archäozoologie

von Elsbeth Bösl

Die Archäozoologin Angela von den Driesch (1934-2012) gehörte zu jener Generation von jungen Wissenschaftlerinnen, die nach dem Zweiten Weltkrieg neue Forschungsfelder etablierten und interdisziplinäre Brücken bauten. Zugleich kämpften sie gegen die strukturellen Benachteiligungen von Frauen an den Universitäten.

Wir erzählen Euch im Folgenden nicht nur etwas über ihr Leben als Forscherin, sondern auch über die Entwicklung des jungen wissenschaftlichen Fachs der Archäozoologie und der langsam zunehmenden Öffnung der Hochschulen für Frauen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Porträt von Angela von den Driesch als ältere Frau, darunter ihre Unterschrift.
Quelle: Becker, Cornelia et al. (Hrsg.): Historia animalium ex ossibus. Beiträge zur Paläoanatomie, Archäologie, Ägyptologie, Ethnologie und Geschichte der Tiermedizin. Festschrift für Angela von den Driesch zum 65. Geburtstag, Rahden/Westf. 1999.
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Die National Archives haben Digitalisate der NSDAP-Mitgliederkartei frei zugänglich online gestellt – was bedeutet das für die historisch-biografische Forschung?

von Elsbeth Bösl

Große deutsche Medien wie DER SPIEGEL, Die Zeit und die Süddeutsche Zeitung berichteten vor wenigen Wochen ausführlich über die Digitalisierung der NSDAP-Mitgliederkartei. Sie lenkten die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit auf einen historischen Quellenbestand, den Historiker:innen schon lange kennen und nutzen. Die Rede ist von den nun von den National Archives and Records Administration (NARA)  in den USA offen zugänglich gemachten Quellenbeständen des sogenannten Berlin Document Center. Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht die Mitgliederkartei der NSDAP. Für historisch-biografische Recherchen sind diese Quellen wertvoll, etwa um individuelle Lebenswege und die Verstrickung in das NS-Regime nachzuvollziehen, aber auch um Netzwerke sichtbar zu machen. Auf den Sozialen Medien trendet das Thema v.a. unter der Überschrift „War Opa ein Nazi?“, auf Reddit und YouTube gibt es How-to-Anleitungen und die Kommentarspalten sind voll von Usern, die erzählen, was sie gefunden haben, und wie sie nun damit umgehen.

Wir greifen diese öffentliche Diskussion auf und berichten Euch im Folgenden aus unseren Erfahrungen mit der NSDAP-Mitgliederkartei.

Bisher haben wir für unsere historisch-biografischen Recherchen immer Anfragen an das Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde gestellt, das die Kartei im Original aufbewahrt. Da die Anfragen aber sehr langwierig sind, haben wir uns nicht bei allen in Frage kommenden Frauen an das Bundesarchiv gewandt. Als die Kartei online frei zugänglich ist wurde, haben wir die Gelegenheit sofort genutzt, um die neue Ressource auszuprobieren und weitere Daten über die Archäologinnen zu erheben.

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Aus dem Mädchen wird ein Junge: Die interdisziplinäre Neuuntersuchung der “Britzer Prinzessin” 2015

Mehr als ein halbes Jahrhundert lang war die Sache klar: In Berlin-Britz war ein junges Mädchen bestattet worden – die „Prinzessin von Britz“, wie Gertrud Dorka sie nannte.

Dann, 2015, wird der Fund erneut untersucht. Und plötzlich steht alles in Frage.

Das Ergebnis ist so schlicht wie überraschend: Die vermeintliche Prinzessin war biologisch ein Junge.

Was zunächst wie eine kuriose Korrektur wirkt, ist in Wahrheit weit mehr. Es ist eine Geschichte darüber, wie sich Wissenschaft verändert – und darüber, wie uns neue Methoden nicht nur Antworten liefern, sondern auch neue Fragen aufwerfen.

Dies ist der dritte Teil unserer Artikelserie über den Fund von Berlin-Britz und seine Forschungsgeschichte

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Die Britzer Prinzessin – ist ein Prinz.

Ein archäologischer Fundkrimi in drei Teilen

Teil 2 Die Sensation in den Medien und die Berliner Öffentlichkeit

von Elsbeth Bösl

Berlin, 5. April 1951: Berlin, 5. April 1951. Die Nachricht vom Fund in Britz macht schnell die Runde. Innerhalb weniger Stunden greifen mehrere Berliner Tageszeitungen das Thema auf. Der Journalist Herbert Dahler erklärt im „Neuköllner Anzeiger“ unter der Überschrift „Frühgeschichtlicher Fund in Britz“, es handle sich um einen „Fund von besonderem Seltenheitswert“ – genau das war es ja auch (N.N. [Dahler?]: Frühgeschichtlicher Fund in Britz, in: Berliner Anzeiger, 5.4.1951).

Zeitungsausschnitte

Die ersten Berichte sind noch widersprüchlich. Manche Details stimmen, andere sind vage – und einiges ist schlicht falsch. Doch eines wird den Leserinnen und Lesern schnell klar: In Britz ist ein außergewöhnlicher frühgeschichtlicher Fund entdeckt worden. Die Redakteure bemühen sich, O-Töne der am Fund Beteiligten zu drucken, und die ersten wissenschaftlichen Fakten zu erfassen.

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Die Britzer Prinzessin – ist ein  Prinz.

Ein archäologischer Fundkrimi in drei Teilen

von Elsbeth Bösl

Berlin-Britz, 28. März 1951. Eine Bauarbeiterin stößt mit ihrer Schaufel auf Widerstand. Der Boden gibt Knochen frei – zwei Skelette in Rückenlage, die Köpfe nach Westen ausgerichtet. Und mit ihnen: eine prachtvolle Glasschale, ein goldener Brakteat, bronzene Schnallen, ein Kamm aus Geweih, Tongefäße.

Nur wenig später ist klar: Hier liegt etwas Außergewöhnliches. Die Berliner Öffentlichkeit spricht bald von der „Britzer Prinzessin“. Eine junge Frau aus der Völkerwanderungszeit, deren Grab so reich ausgestattet ist, wie man es im Berliner Raum zuvor nicht gefunden hatte. Eine Sensation, für die sich die Berliner Öffentlichkeit brennend interessiert.

Doch die Geschichte endet hier nicht. Sechs Jahrzehnte später, im Jahr 2015, beschließen zwei Berliner Forscherinnen, das Grab neu zu untersuchen. Das Ergebnis der aDNA-Analyse überrascht: Die vermeintliche Prinzessin war genetisch ein Junge (Betram/Melisch 2018).

War 1951 einfach ein Fehler geschehen? Hatte sich jemand geirrt? Oder konnte man es damals gar nicht besser wissen?

Wir sehen im Fund von Britz und seiner Forschungsgeschichte ein Paradebeispiel dafür, dass wissenschaftliche Verfahren und Erkenntnisse dem historischen Wandel unterliegen. Nur weil etwas „wissenschaftlich“ ist, heißt das nicht, dass es für immer Gültigkeit besitzt. Der Fall „Prinz/essin von Britz“ zeigt uns auch die Geschichtlichkeit und Situiertheit von wissenschaftlichem Wissen (Haraway 1988) und die Chancen und Grenzen der zwischenfachlichen Zusammenarbeit auf.

In drei Teilen erzählen wir Euch etwas über den Fund von Britz und über die Forscherinnen, die sich aus der Perspektive verschiedener Fächer mit ihm befasst haben.

Teil 2 folgt am 28. März, wenn sich der Fund zum 75. Mal jährt. Am 29.4. erscheint Teil 3.

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Frauen im Netzwerk der ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger:innen in Berlin zwischen ca. 1920 und 1955

von Elsbeth Bösl und Doris Gutsmiedl-Schümann

Im heutigen Beitrag schließen wir an unser Thema „weibliche Netzwerke“ an. Wir stellen Euch einige Frauen aus Berlin vor, die dort in der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflege tätig waren – etwa in den Jahren zwischen 1920 und 1955. Über die meisten von ihnen wissen wir bisher nur sehr wenig. Eines aber hatten sie gemeinsam: Sie alle waren durch die Vorgeschichtskurse am Märkischen Museum, nach ihrem Gründer auch „Kiekebusch-Kreis“ zur prähistorischen Archäologie gekommen. Und die meisten von ihnen waren als Lehrerinnen tätig.

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Zum 50. Todestag von Gertrud Dorka

von Elsbeth Bösl und Doris Gutsmiedl-Schümann

Die Museumsdirektorin am Schreibtisch
Gertrud Dorka, um 1947/48, Quelle: SMB/MVF F5025

Am 14. Februar 2026 gedenken wir einer außergewöhnlichen Persönlichkeit der Berliner Archäologie und Museumswelt: Gertrud Dorka, die vor 50 Jahren verstarb, aber mit ihrem Engagement und ihren Leistungen bis heute nachwirkt. In diesem Jahr gibt es eine bedeutsame Nachricht, die wir gerne teilen möchten:

Nach langer intensiver Suche hat Danka Metz das Grab von Gertrud Dorka auf dem Friedhof in Berlin-Wilmersdorf entdeckt – maßgeblich unterstützt durch Horst Junker am Archiv des Museums für Vor- und Frühgeschichte Berlin.

Für AktArcha ist dieser Fund ist sehr wichtig, denn er verortet aufs Neue die Erinnerung an eine der bemerkenswertesten Frauen in der deutschen Museumslandschaft. Wir danken Danka Metz sehr dafür, dass sie uns dieses Foto zur Verfügung gestellt hat:

Das Urnengrab mit der Aufschrift Dr. Gertrud Dorka 1893-1976
Das Urnengrab auf dem Friedhof Willmersdorf, Kalischer Str. 17, 10713 Berlin, Kolumbarium, Raum 23, Wand E, Reihe 4, Nr. 003. Foto: Danka Metz
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Buchempfehlungen zum Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft 2026

von Elsbeth Bösl

Den 11. Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft 2026 nehmen wir zum Anlass, um Euch zwei neue, gelungene Bücher aus dem Bereich der Kinder- und Jugendsachliteratur vorzustellen. Beide sind 2025 erschienen, und in beiden geht es um Frauen (in) der Wissenschaft. Im Folgenden erfahrt Ihr, was Euch darin erwartet, wie die Bücher aufgebaut und gestaltet sind und für wen sie sich eignen.

Disclaimer: Es handelt sich hier nicht um bezahlte Werbung. Wir haben auch keine Freiexemplare erhalten.

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Weihnachten mit Gertrud Dorka

von Elsbeth Bösl und Doris Gutsmiedl-Schümann

Zu Weihnachten nehmen wir Euch mit ins Jahr 1952: auf die Weihnachtsfeier am Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte.

Wir erinnern uns: 1948 war die Prähistorikerin Gertrud Dorka und Museumsdirektorin mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterin in die Ruine des Ehemaligen Völkerkundemuseum an der Stresemannstraße eingezogen. Seither bemühte sie sich um den Wiederaufbau des Museums für Vor- und Frühgeschichte (Junker 2004/2005). Im Jahr 1952 sollte nun die gemeinsame Weihnachtsfeier aller Mitarbeitenden der ehemals staatlichen Museen Berlins in den wenigen benutzbaren Räumen der Ruine stattfinden. Energisch nahm Gertrud Dorka die Vorbereitungen auf!

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Wenn Frauen andere Frauen sichtbar machen – eine Quelle aus dem Jahr 1955

Von Elsbeth Bösl und Doris Gutsmiedl-Schümann

Wenn es in Ratgebern und auf Konferenzen über das Sichtbarmachen von Frauen geht, kommt oft die Frage auf, mit welchen konkreten Mitteln und einfachen Maßnahmen das denn geschehen kann. Was kann jede Forscherin tun, um andere Forscherinnen sichtbarer zu machen? Ein Vorschlag wird immer wieder gemacht: Frauen sollen andere Frauen vorschlagen, wenn sie nach einer Expertin für ein wissenschaftliches Thema oder nach einer Referentin für eine Tagung oder einer Interviewpartnerin für die Medien gefragt werden: “Wenn Dich jemand nach einem Experten fragt, schlag eine Expertin vor.”

Diese Zielrichtung verfolgen auch Expertinnenportale wie Speakerinnen.org, femconsult und bis vor Kurzem AcademiaNet. Es gibt auch #100TechFrauen und #Innovative Frauen.

Dieser Beitrag gehört zu unserer lockeren Serie über weibliche Netzwerke. Wir wollen darin herausfinden, wie wir diese in den Quellen erkennen können.

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