Warum kennen wir so viele berühmte Wissenschaftler, Künstler, Entdecker und Erfinder, aber vergleichsweise wenige Frauen, die in denselben Bereichen wirkten? Eine häufige Antwort lautet, Frauen hätten in früheren Jahrhunderten schlicht weniger Möglichkeiten gehabt, zu forschen oder selbständig zu arbeiten. Allison Tyra, Gründerin der Webseite Infinite Women und Host des gleichnamigen Podcasts, zeigt in ihrem Buch Uncredited: Women’s Overlooked, Misattributed, and Stolen Work, dass diese Erklärung zu kurz greift. Frauen waren keineswegs abwesend: Ihre Leistungen wurden vielmehr übersehen, abgewertet, falsch zugeschrieben oder von anderen vereinnahmt.
Ein Buch über unsichtbare Frauen: Uncredited von Allison Tyra weiterlesenAutor: Doris Gutsmiedl-Schümann
Mechanismen der Unsichtbarwerdung – Autor(innen)schaft & Archiv
Ein Tagungsbericht von Doris Gutsmiedl-Schümann
Am 27. und 28. November 2025 veranstaltete das Projekt „Lost in Archives – Auf der Suche nach unsichtbaren Frauen in Männerdomänen“ einen zweitägigen Workshop in München. Im Mittelpunkt standen die Mechanismen, durch die historische Personen in Archiven in den Hintergrund treten, verblassen oder ganz verschwinden. Besonders im Fokus waren dabei Autorinnen und ihre Marginalisierung.
Der Workshop fragte danach, wie Autor*innenschaft, Beteiligung, wissenschaftliche oder kulturelle Leistungen von Frauen historisch unsichtbar gemacht wurden, und wie Archive, Editionen, Sammlungen und Forschung diese Unsichtbarkeit erzeugen und fortführen, aber auch korrigieren können.
Mechanismen der Unsichtbarwerdung – Autor(innen)schaft & Archiv weiterlesen
„Activate Archaeology for Just Futures!“
Impressionen von der Nordic TAG in Kalmar
von Doris Gutsmiedl-Schümann
Vom 6. bis 9. Mai 2026 fand an der Linnaeus University in Kalmar, Schweden, die 18. Tagung der Nordic Theory in Archaeology Group – kurz Nordic TAG – statt. 22 Sessions und vier Workshops beschäftigten sich mehrere Tage lang mit den Perspektiven, die die Archäologie auf die drängenden Herausforderungen unserer Zeit bieten kann.
Die Session, an der sich AktArcha beteiligte, begab sich unter dem Titel „She was Here: Echoes of Forgotten Women in Nordic Archaeology“ auf die Spuren von Frauen in der nordischen Archäologie – sowohl in der archäologischen Forschung als auch im archäologischen Befund.
„Activate Archaeology for Just Futures!“ weiterlesenZum 50. Todestag von Gertrud Dorka
von Elsbeth Bösl und Doris Gutsmiedl-Schümann

Am 14. Februar 2026 gedenken wir einer außergewöhnlichen Persönlichkeit der Berliner Archäologie und Museumswelt: Gertrud Dorka, die vor 50 Jahren verstarb, aber mit ihrem Engagement und ihren Leistungen bis heute nachwirkt. In diesem Jahr gibt es eine bedeutsame Nachricht, die wir gerne teilen möchten:
Nach langer intensiver Suche hat Danka Metz das Grab von Gertrud Dorka auf dem Friedhof in Berlin-Wilmersdorf entdeckt – maßgeblich unterstützt durch Horst Junker am Archiv des Museums für Vor- und Frühgeschichte Berlin.
Für AktArcha ist dieser Fund ist sehr wichtig, denn er verortet aufs Neue die Erinnerung an eine der bemerkenswertesten Frauen in der deutschen Museumslandschaft. Wir danken Danka Metz sehr dafür, dass sie uns dieses Foto zur Verfügung gestellt hat:

Weihnachten mit Gertrud Dorka
von Elsbeth Bösl und Doris Gutsmiedl-Schümann
Zu Weihnachten nehmen wir Euch mit ins Jahr 1952: auf die Weihnachtsfeier am Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte.
Wir erinnern uns: 1948 war die Prähistorikerin Gertrud Dorka und Museumsdirektorin mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterin in die Ruine des Ehemaligen Völkerkundemuseum an der Stresemannstraße eingezogen. Seither bemühte sie sich um den Wiederaufbau des Museums für Vor- und Frühgeschichte (Junker 2004/2005). Im Jahr 1952 sollte nun die gemeinsame Weihnachtsfeier aller Mitarbeitenden der ehemals staatlichen Museen Berlins in den wenigen benutzbaren Räumen der Ruine stattfinden. Energisch nahm Gertrud Dorka die Vorbereitungen auf!
Weihnachten mit Gertrud Dorka weiterlesenWenn Frauen andere Frauen sichtbar machen – eine Quelle aus dem Jahr 1955
Von Elsbeth Bösl und Doris Gutsmiedl-Schümann
Wenn es in Ratgebern und auf Konferenzen über das Sichtbarmachen von Frauen geht, kommt oft die Frage auf, mit welchen konkreten Mitteln und einfachen Maßnahmen das denn geschehen kann. Was kann jede Forscherin tun, um andere Forscherinnen sichtbarer zu machen? Ein Vorschlag wird immer wieder gemacht: Frauen sollen andere Frauen vorschlagen, wenn sie nach einer Expertin für ein wissenschaftliches Thema oder nach einer Referentin für eine Tagung oder einer Interviewpartnerin für die Medien gefragt werden: “Wenn Dich jemand nach einem Experten fragt, schlag eine Expertin vor.”
Diese Zielrichtung verfolgen auch Expertinnenportale wie Speakerinnen.org, femconsult und bis vor Kurzem AcademiaNet. Es gibt auch #100TechFrauen und #Innovative Frauen.
Dieser Beitrag gehört zu unserer lockeren Serie über weibliche Netzwerke. Wir wollen darin herausfinden, wie wir diese in den Quellen erkennen können.
Wenn Frauen andere Frauen sichtbar machen – eine Quelle aus dem Jahr 1955 weiterlesenFrauensolidarität und weibliche Netzwerke im Kalten Krieg: Das Zusammentreffen von Hanna Rydh und Gertrud Dorka 1950/1951
von Elsbeth Bösl und Doris Gutsmiedl-Schümann
Wir beginnen mit einem Quellenfund aus dem Archiv des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin: Die Korrespondenz von Gertrud Dorka (1893-1976), der ersten Direktorin des Museums von 1947 bis 1958, mit der schwedischen Archäologin, Feministin und Politikerin Hanna Rydh (1891-1964) und einige dazugehörige Einträge im Diensttagebuch Gertrud Dorkas.
Dieser kleine Quellenfund führt uns vom Kleinen, Lokalen ins Große und Internationale.
Die Geschichte beginnt 1947 bei Gertrud Dorka in der Ruine des Martin-Gropius-Baus in Berlin, bei ihrem schwierigen Alltag als Direktorin des Ehemals staatlichen Museums für Vor- und Frühgeschichte Berlin. Wir stellen Euch dann aber auch ausführlich Hanna Rydh vor und werfen einen Blick auf lokale und internationale Frauenvereinigungen im frühen Kalten Krieg.
Dies ist der erste Teil einer lockeren Artikelserie über Frauennetzwerke und die Suche danach in den historischen Quellen. Hier gehts zum Intro.
Frauensolidarität und weibliche Netzwerke im Kalten Krieg: Das Zusammentreffen von Hanna Rydh und Gertrud Dorka 1950/1951 weiterlesenIntro: Auf der Suche nach weiblichen Netzwerken
Von Elsbeth Bösl und Doris Gutsmiedl-Schümann
Wie lässt sich in historischen Quellen nachweisen, dass Frauen nicht nur nebeneinander, sondern auch miteinander gearbeitet haben? Spuren von Kooperationen oder gar Netzwerken sind selten eindeutig sichtbar – und genau darin liegt die Herausforderung. Die Tagebücher und Korrespondenzen von Gertrud Dorka (1893-1976), der Leiterin des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte von 1947 bis 1958, bieten hier einen faszinierenden Prüfstein: Sie öffnen Einblicke in den wissenschaftlichen Alltag, machen aber zugleich deutlich, wie schwer greifbar weibliche Netzwerke in der Überlieferung bleiben.
Diese Quellen geben den Anlass für das kleine Artikelbündel, das wir heute starten. Wir haben sie schon mehrfach hinsichtlich der Frage durchgesehen, ob wir spezifisch weibliche wissenschaftliche Kooperationen darin identifizieren können. Diese Materialien geben tolle Einblicke in den Arbeitsalltag einer zentralen Akteurin der Berliner Nachkriegsarchäologie, aber sie wecken eben auch die Frage, ob sich darin Spuren von belastbaren und mehr als kurzfristigen Frauennetzwerken finden lassen.
Intro: Auf der Suche nach weiblichen Netzwerken weiterlesenNeuer Podcast online
Wir waren zu Besuch im Podcast “Infinite Women“. Die Episode zu “Early German speaking Archaeologists” ist nun online auf Spotify und YouTube; es gibt auch ein Transkript dazu.
Posterausstellung im SchichtWerk Gilching – Beiträge auf YouTube
Vom 5.10.25 bis 22.3.26 kann die Posterausstellung “Ein gut Theil Eigenheit – Lebenswege früher Archäologinnen” im SchichtWerk Gliching besucht werden. Mehr zu Öffnungszeiten und Begleitprogramm unter https://schichtwerk-gilching.de/de/das-museum/-ein-gut-theil-eigenheit-lebenswege-frueher-archaeologinnen—sonderausstellung
Die Ansprache zur Eröffnung von der Museumsleiterin Annette Reindel ist auf YouTube zu finden: https://youtu.be/5-ZGHHvE-Qk?si=tEHLJb6XO8aQtnVG
Zur Eröffnung der Posterausstellung “Ein gut Theil Eigenheit – Lebenswege früher Archäologinnen” im SchichtWerk Gliching sprach die Archäologin Petra Künzel M.A. über ihre Arbeit zu „Römische Glasperlen in der Provinz Raetien – eine späte Leidenschaft“; auch dieser Vortrag kann auf YouTube angesehen werden: https://youtu.be/SIZj7N_viZU?si=C_3sFMUJuJ-S578f
